Ein Baukasten lohnt sich, wenn das Budget sehr klein ist, Sie Zeit haben und die Website vor allem existieren soll. Professionelle Umsetzung lohnt sich, wenn die Website Anfragen bringen soll, wenn Ihre Arbeitszeit wertvoll ist oder wenn Ihnen das Schreiben der Texte schwerfällt. Rechnen Sie Ihre eigenen 20 bis 40 Stunden mit ein.
Was ein Baukasten wirklich kann
Moderne Baukästen sind besser als ihr Ruf. Wer sie schlechtredet, hat sie seit zehn Jahren nicht benutzt.
- Fertige Vorlagen, die auf dem Handy funktionieren
- Bearbeiten im Browser, ohne eine Zeile Code
- Hosting, SSL und Sicherung sind enthalten, niemand muss an Updates denken
- Kontaktformulare, Terminbuchung, einfache Shops als Bausteine
- Überschaubare Monatskosten, meist 10 bis 40 €
- Kein Ausfallrisiko durch einen einzelnen Dienstleister
Für eine Vereinsseite, ein Nebengewerbe oder einen ersten Test ist das eine vernünftige Lösung. Es gibt keinen Grund, dafür vierstellig zu zahlen.
Die versteckte Rechnung: Ihre Zeit
„In 30 Minuten online“ stimmt, allerdings für eine Seite mit Vorlagentext und Beispielbildern. Eine fertige Firmenwebsite mit eigenen Inhalten sieht anders aus.
| Aufgabe | Zeit |
|---|---|
| Anbieter und Vorlage auswählen | 2 – 4 Stunden |
| Texte für fünf Seiten schreiben | 8 – 20 Stunden |
| Bilder auswählen, zuschneiden, verkleinern | 3 – 6 Stunden |
| Seiten aufbauen und gestalten | 5 – 10 Stunden |
| Auf dem Handy korrigieren | 2 – 4 Stunden |
| Impressum und Datenschutz zusammenstellen | 1 – 3 Stunden |
| Summe | 21 – 47 Stunden |
Bei einem eigenen Stundensatz von 60 € entspricht das 1.260 bis 2.820 € an Arbeitszeit, zusätzlich zur Monatsgebühr. Das ist keine Rechnung gegen Baukästen, sondern gegen den Satz „kostet ja fast nichts“.
Der ehrliche Punkt dagegen: Wenn Sie diese Stunden ohnehin abends investieren und sie Ihnen sonst nichts einbringen würden, ist die Rechnung eine andere.
Wo Baukästen an Grenzen stoßen
- Ladezeit. Baukästen laden viel Code für Funktionen, die Ihre Seite nicht nutzt. Auf dem Handy ist das spürbar.
- Individualität. Sie erkennen eine Vorlage nach dem dritten Mal. Und Ihre Kunden auch.
- Umzug. Die Seite gehört technisch dem Anbieter. Ein Wechsel bedeutet meist: neu bauen.
- Suchmaschinen. Die Grundlagen sind abgedeckt, aber bei umkämpften lokalen Begriffen fehlt der Feinschliff.
- Sonderwünsche. Alles, was die Vorlage nicht vorsieht, geht gar nicht oder über Umwege.
- Preisentwicklung. Monatsgebühren steigen, und die Seite lässt sich nicht einfach mitnehmen.
- Rechtstexte. Generatoren sind enthalten, die Verantwortung bleibt bei Ihnen.
Der Kostenvergleich über fünf Jahre
Baukästen wirken günstig, weil sie monatlich abrechnen. Über einen längeren Zeitraum sieht die Rechnung anders aus.
| Baukasten (20 € / Monat) | Individuell umgesetzt | |
|---|---|---|
| Einmalig | 0 € | ab 1.500 € |
| Laufend pro Jahr | 240 € | ca. 100 € Domain + Hosting |
| Nach 5 Jahren | 1.200 € | ca. 2.000 € |
| Nach 5 Jahren inkl. Ihrer Zeit (60 € / Std.) | 2.460 – 4.020 € | ca. 2.180 € |
| Ihre Arbeitszeit | 21 – 47 Stunden | ca. 3 Stunden |
| Am Ende gehört Ihnen | nichts | die Website |
Die Zahlen sind Beispielwerte. Ohne Ihre eigene Zeit ist der Baukasten über fünf Jahre günstiger, das gehört ehrlich dazu. Rechnen Sie Ihre Arbeitsstunden mit, dreht sich das Bild, und die professionell umgesetzte Seite gehört Ihnen am Ende auch.
Wann sich professionelle Umsetzung lohnt
- Die Website soll Anfragen bringen, nicht nur existieren
- Ihre Arbeitszeit ist im Betrieb mehr wert als am Baukasten
- Sie wollen bei lokalen Suchanfragen tatsächlich gefunden werden
- Ihnen fällt das Texten schwer, und genau dort bleiben die meisten Eigenbauten stecken
- Ihr Auftritt soll nicht aussehen wie hundert andere
- Sie brauchen Funktionen, die über die Vorlage hinausgehen
- Sie wollen die Seite besitzen und jederzeit umziehen können
Der dritte Weg, den kaum jemand nennt
Es gibt keinen Zwang zur Reinform. Ein pragmatischer Mittelweg funktioniert oft am besten: Starten Sie mit einer kleinen, professionell umgesetzten Website statt mit einem großen Baukastenprojekt.
Seiten, die für Ihre Leistungen gefunden werden, bringen mehr als viele selbstgebaute, die niemand findet. Ob Sie mit fünf Seiten starten oder gleich jede Leistung einzeln zeigen, hängt von Ihrem Angebot ab; erweitern lässt sich später jederzeit.
Umgekehrt gilt genauso: Wenn Sie noch nicht wissen, ob Ihr Geschäftsmodell trägt, bauen Sie es mit einem Baukasten in einem Wochenende und investieren erst, wenn die ersten Kunden da sind. Das ist keine schlechte Entscheidung, sondern eine vernünftige.
Unsere Einschätzung
Wir verdienen unser Geld mit individueller Umsetzung und sagen trotzdem: Für manche Vorhaben ist ein Baukasten die richtige Wahl. Ein Verein, ein Nebenerwerb, ein Test: Dafür brauchen Sie uns nicht.
Sobald die Website aber ein Vertriebskanal sein soll, kippt die Rechnung. Dann zählt, ob jemand bei „Dachdecker Hannover“ auf Seite eins steht und ob der Text überzeugt. Beides ist Arbeit, die ein Vorlagensystem nicht leistet.
Die ehrlichste Prüffrage: Was ist ein Neukunde bei Ihnen wert? Liegt die Antwort im vierstelligen Bereich, ist die Diskussion über 1.500 € einmalig gegenüber 20 € im Monat die falsche Diskussion.
Häufige Fragen
- Was kostet ein Homepage-Baukasten?
- Übliche Tarife liegen zwischen 10 und 40 € im Monat, je nach Anbieter und Funktionsumfang. Günstige Einstiegstarife enthalten oft keine eigene Domain oder blenden Werbung ein. Rechnen Sie für einen gewerblichen Auftritt mit dem mittleren Tarif.
- Kann ich eine Baukasten-Website später umziehen?
- In der Regel nicht. Die Seite läuft in der Technik des Anbieters und lässt sich nicht als fertige Website exportieren. Mitnehmen können Sie Ihre Domain sowie Texte und Bilder, die Seite selbst muss neu gebaut werden.
- Sind Baukasten-Websites schlecht für SEO?
- Nicht grundsätzlich. Die Grundlagen wie Seitentitel und mobile Darstellung sind abgedeckt. Schwächer sind meist Ladezeit und die Feinsteuerung, die bei umkämpften lokalen Suchbegriffen den Unterschied macht. Für Nischenbegriffe reicht ein Baukasten aus.
- Welcher Homepage-Baukasten ist der beste?
- Das hängt vom Zweck ab: Für gestalterische Freiheit gelten Wix und Squarespace als stark, für schnelle einfache Seiten Jimdo, für Shops Shopify. Testen Sie zwei Anbieter mit Ihren echten Inhalten, nicht mit dem Beispieltext der Vorlage.
- Lohnt sich eine Agentur für eine kleine Website?
- Wenn ein Neukunde bei Ihnen deutlich mehr als tausend Euro wert ist: meist ja. Eine kleine, professionell umgesetzte Website hat sich dann nach wenigen Aufträgen bezahlt. Bei sehr kleinen Auftragswerten ist ein Baukasten plus gepflegtes Google-Unternehmensprofil die wirtschaftlichere Wahl.
